Leseprobe Prüfung des Schicksals

Leseprobe Prüfung des Schicksals

Leseprobe Prüfung des Schicksals

 

Gegenwart  Juni 2020

 

Kapitel 1 -Abschied nehmen, tut weh-

 

Prüfung des Schicksals Immer wenn sich ihr Todestag jährte war es Morgaine sehr schwer ums Herz.

Sie stand mit ihrer kleinen Tochter Guinevere, die sie liebevoll Ginny nannte, vor dem großen weißen Engel, den sie für ihre über alles geliebte Bonni hatte anfertigen lassen. Die Golden-Retriever-Hündin war unerwartet vor 24 Monaten von ihnen gegangen.

Sie hatten noch exakt drei gemeinsame Jahre gehabt, bis Bonni urplötzlich erkrankte. Von einem Tag zum anderen verweigerte sie ihr Futter und Morgaine konnte sich beim besten Willen nicht erklären warum.

Die unzähligen Untersuchungen beim Tierarzt, bei denen wiederholt Blut abgenommen wurde und auch die vielen Röntgenbilder, brachten kein Ergebnis zu Tage was in irgendeiner Weise hätte weiterhelfen können.

So musste sie hilflos mit ansehen wie Bonni von Tag zu Tag schwächer wurde, bis sie schließlich auch das Wasser verweigerte.

Da Morgaine ihr die Qualen des Tropfes ersparen wollte, zumal sie das ganz bestimmte Gefühl hatte, dass Bonni gehen wollte, schlief sie bald darauf friedlich in ihren Armen und ihrer gewohnten Umgebung ein.

Tränen liefen ihre Wangen hinab, als sie jetzt vor dem Engel stand und mit Bonni Zwiesprache hielt.

Sanft streichelte Ginny ihre Hand.

»Nicht traurig sein, Mummy. Bonni fühlt sich sehr wohl, dort wo sie jetzt ist. Sie tollt gerade mit vielen anderen Hunden über eine große, leuchtend grüne und wirklich wunderschöne Wiese. Heute Nacht hat sie mich auch wieder im Traum besucht und hat mir freudig ihre Hundefreunde vorgestellt«, sagte die Kleine jetzt.

Guinevere war hellsichtig und sprach so selbstverständlich mit ihren Geistführern, als unterhielte sie sich mit einer ihrer Freundinnen.

Schon früh hatte sich herausgestellt, dass Ginny ganz anders war als andere Kinder. Bereits im zarten Babyalter unterschied sie sich von all den vielen Schreikindern die ihre Mütter, Tag und Nacht, auf Trab hielten. Ginny weinte so gut wie nie und schlief bereits, mit gerade mal drei Monaten, nachts durch. Selbst wenn sie Hunger hätte haben müssen kam kein Klagelaut über ihre kleinen, zarten Lippen. So hatte es sich Morgaine zur Gewohnheit gemacht sie nach der Uhr zu füttern.

Prüfung des Schicksals

Gerade abends nach ihrer letzten Mahlzeit genoss sie es Ginny in ihrer Wiege zu beobachten. Die Kleine hatte die Augen weit geöffnet und sah fasziniert auf das Tiermobile, welches Morgaine für sie gebastelt hatte und das am Himmel der Wiege hing. Die kleinen Basttierchen bewegten sich sanft hin und her und Guinevere konnte sich an ihnen nicht sattsehen. Es sah fast so aus als würde sie mit ihren Augen zu den Figuren sprechen.

Nach zirka zehn Minuten stahl sich ein breites Lächeln auf das Gesicht des Babys und dann schloss Ginny die Augen und war sofort eingeschlafen. Dieses Ritual fand jeden Abend statt, seitdem Guinevere sechs Wochen alt war.

Als sie schließlich größer wurde und mit bereits einem Jahr anfing zu laufen war es immer wieder erstaunlich, dass sie sich den ganzen Tag selbst beschäftigte. Sie sprach in ihrer ganz eigenen Babysprache mit allen Tieren und Pflanzen die ihr begegneten und liebte es in der Natur zu sein. Bonni wich ihr nicht von der Seite und passte bestens auf sie auf.

Die Hündin liebte sie von Herzen und auch wenn Morgaine anfangs befürchtet hatte, dass Bonni vielleicht eifersüchtig werden könnte, war diese Angst vollkommen unbegründet.

Die beiden waren unzertrennlich und Ginny teilte alles mit der Hündin.  So war es nicht verwunderlich, dass Bonni schnell ein paar Kilos zulegte und Morgaine sanft einschreiten musste.

Prüfung des SchicksalsPrüfung des Schicksals

»Ich weiß, mein Schatz«, sagte sie jetzt, wischte sich die Tränen ab und drückte Ginny fest an sich.

Dann sah sie auf ihren Ring hinab. Das Sonnenlicht ließ den roten Rubin erstrahlen und verstärkte die Magie, die schon immer von ihm ausgegangen war. Er war das Einzige was sie aus den Highlands mitgebracht hatte, wenn man mal von dem Kleid absah, dass sie seinerzeit getragen hatte. Sie hatte ihn noch nicht einen einzigen Tag abgelegt, sah sie ihn doch als Bindeglied zwischen sich und Petrik, an.

Der Apfelbaum unter dem das Grab der Hündin lag stand in voller Blüte. Dies war sofort der Lieblingsplatz des Golden-Retrievers geworden, als sie vor vier Jahren in dieses gemütliche Blockhaus im Wald eingezogen waren.

Bonni liebte es zu buddeln und hatte unter dem riesigen Baum viele ihrer Knochen vergraben. Wie oft hatte sie hier ihr Mittagsschläfchen gehalten und von ihren Schätzen und ihren vielfältigen Expeditionen durch den Wald geträumt.

Jetzt wurde die Erde um den Baum herum mit großen weißen Steinen umrahmt, in deren Mitte der wunderschöne Engel stand. Morgaine hatte gemeinsam mit Guinevere unzählige Vergissmeinnicht und Sonnenblumen auf das Grab gepflanzt, die nun mit ihren blauen und gelben Farben, um die Wette strahlten.

Bonni hatte hier wirklich ein wunderschönes Plätzchen, aber noch immer war Morgaine über ihren Verlust nicht hinweggekommen.

Obwohl Ginny sie des Öfteren darum gebeten ja quasi angebettelt hatte doch einen neuen Hund anzuschaffen, brachte sie es einfach noch nicht übers Herz.

Bonni war neun lange Jahre ihre Vertraute und neben Lizzy ihre beste Freundin gewesen. Sie waren unermüdlich durch Dick und Dünn gegangen und es verbanden sie beide so unglaublich viele, schöne Erinnerungen.

Die wollte sie sich bewahren und hatte Angst davor, dass sie durch die Anschaffung eines neuen Hundes mit der Zeit verblassen würden. Auch wenn sie wusste, dass es der Hündin gutging und sie sie loslassen musste, konnte sie es einfach noch nicht. 

Gerade in der schweren Zeit nach ihrer Rückkehr aus den Highlands war Bonni ihr eine unglaubliche Hilfe und Stütze gewesen.

Wie oft hatte sie abends mit ihr zusammen auf der Couch gesessen und ihr tränenverschmiertes Gesicht in ihrem weichen Fell vergraben. Sie redete sich alles von der Seele und die brave Hündin hörte ihr aufmerksam zu, leckte ihr hin und wieder über die Hände oder das Gesicht und schmiegte sich eng an sie.

Prüfung des Schicksals

Bonni wusste immer ganz genau was in ihr vorging und litt gemeinsam mit ihr. Sie versuchte auf ihre ganz eigene Weise ihr zur Seite zu stehen und sie zu trösten.

Auch als das Baby kam war sie die Helferin schlechthin. Nachdem Morgaine nach drei Tagen aus dem Krankenhaus zurückgekehrt war beschnupperte sie das neue Erdenwesen ausgiebig und legte sich kurz darauf demonstrativ vor die weiße Wiege, die Lizzy für sie angeschafft hatte und die in Morgaines Schlafzimmer stand.

Damit gab sie ihr zu verstehen, dass sie ab jetzt auf die Kleine aufpassen würde und Morgaine sich keine Sorgen machen müsse.

Erneut bahnten sich ein paar Tränen ihren Weg als sie daran zurückdachte wie aufmerksam und unnachgiebig die Hündin ihren selbst auferlegten Job ausübte.

Schnell hatte sie herausgefunden, dass Babys im Grunde genommen genau wie kleine Welpen zu behandeln waren. Sie waren hilflos und tollpatschig.

So war sie stets zur Stelle sobald Guinevere das Wohnzimmer auf allen Vieren erkundete und achtete sorgsam darauf, dass sie dabei dem heißen Kamin nicht zu nahekam. Immer wieder stupste sie die Kleine mit der Schnauze an und korrigierte damit ihren Weg. Wie oft hatte Morgaine die beiden bei diesem Spiel amüsiert beobachtet.

Fremde Besucher jedoch durften Ginny zunächst nicht zu nahekommen. Erst wenn die Hündin sie gecheckt und für in Ordnung befunden hatte, durften sie sich dem Baby nähern. Doch stets war sie dabei und hatte ein wachsames Auge auf die Gäste. Sie war besser als jeder Bodyguard, den Morgaine hätte engagieren können.

Als Guinevere schließlich größer wurde und die beiden gemeinsam im Garten toben konnten, ließ auch hier die Achtsamkeit der Hündin in keiner Weise nach.

Morgaine hatte, wie in dem zuvor gemieteten Haus, einen kleinen Teich angelegt, in dem viele, bunte Fische ihr Zuhause gefunden hatten.

Die farbenfrohen Kois hatten es Guinevere ganz besonders angetan. Obwohl der Teich durch einen kleinen, weißen Zaun abgegrenzt wurde, versuchte sie immer wieder darüber zu klettern um die Fische zu streicheln, wie sie Morgaine mit ernster Miene erklärte. Schließlich brauchten auch die Fische eine gewisse Zuneigung.

Doch damit hatte sie bei Bonni keine Chance. Laut bellend versuchte die Hündin sie von ihrem Vorhaben abzubringen. Half dies nichts, schnappte sie nach ihrem T-Shirt oder ihrer Hose und riss sie damit zu Boden. Jedes andere Kind hätte sicherlich angefangen zu weinen. Doch Guinevere sah kurz zu der Hündin auf, um dann in glucksendes Gelächter auszubrechen. Sie hatte sofort begriffen was Bonni ihr damit zu verstehen geben wollte. Und schon tobten die beiden weiter.

Für Morgaine war das eine große Hilfe.

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Vor nunmehr vier Jahren, als Ginny aus dem Gröbsten raus war, hatte sie sich mit einer eigenen Heiler Praxis selbstständig gemacht. Die Praxis lag in einem Nebentrakt des sehr geräumigen Blockhauses, mit Blick auf den mehr als 5000 Quadratmeter großen Garten.

Direkt daneben befand sich ein schöner Wintergarten, den Morgaine zunächst als Spielzimmer für Ginny eingerichtet hatte. Die Verbindungstür stand immer offen und so konnte sie stets ein Auge auf ihre Tochter haben, wenn sie Patienten behandelte. Auch wenn Bonni der Kleinen nicht von der Seite wich machten die beiden auch das ein oder andere Mal gewaltigen Blödsinn. Bei ihrer Kundschaft kam dieses Arrangement erstaunlich gut an, zeigte es doch welch verantwortungsvolle Mutter Morgaine war, sowohl im menschlichen als auch im tierischen Sinne.

Sehr schnell hatte sich herumgesprochen, dass sie über erstaunliche Fähigkeiten verfügte und so scheuten die Menschen auch den weiten Weg von Frankfurt aus nicht, um sich helfen zu lassen. Durch den regelmäßigen Kontakt zu ihren Geistführern wurde sie täglich weiter geschult. Bei besonders schwierigen Behandlungen standen sie anfänglich direkt neben ihr und wiesen sie an. Ungesehen von den Patienten, fand die Kommunikation mit Morgaine telepathisch statt. Auch von den führenden Händen bekamen die Kunden nichts mit.

Oft berichteten die Kranken danach, dass sie das Gefühl gehabt hätten eine weitere Person sei im Raum gewesen. Einige von ihnen konnten sogar die veränderten Energien wahrnehmen, auch wenn sie diese Empfindungen weder verstehen, geschweige denn erklären konnten. Morgaine freute sich jedes Mal sehr, wenn ihre Patienten solche Wahrnehmungen hatten.

Vorsichtig, um sie nicht zu überfordern, lud sie diese Menschen zu einem Gesprächsabend ein, der einmal im Monat bei ihr stattfand. Sollten sie Interesse daran haben mehr über diese Energien in Erfahrung bringen zu wollen waren sie herzlichst willkommen. 

In den ersten beiden Jahren liefen diese Abende sehr schleppend an. Doch bald sprach sich herum, dass man bei der Heilerin aus dem Wald ganz erstaunliche Dinge erleben konnte. Inzwischen fanden sich meist um die dreißig bis vierzig Leute ein, die an diesen Treffen teilnahmen.   

Auch Peter, der Freund von Petrik, der mittlerweile auch ein sehr enger Freund von Morgaine geworden war, war gemeinsam mit den Mitgliedern seines spirituellen Kreises stets mit von der Partie.

Da sie die zahlreichen Menschen bald nicht mehr alle in ihrem Wohnzimmer unterbringen konnte musste dringend etwas geschehen.

Peter kam auf den Gedanken die angrenzende Scheune dafür umzubauen. An freiwilligen Helfern mangelte es nicht. Ein Großteil ihres Montagabend Clubs meldete sich sofort freiwillig und unter Peters Anleitung waren die notwendigen Umbaumaßnahmen schnell erledigt.

Im Winter beheizte sie den jetzt äußerst gemütlich eingerichteten Raum mit einem großen Kohleofen, den sie auf dem Flohmarkt gefunden hatte.

Stets wurden diese beliebten, äußerst informativen, aber auch sehr entspannten Abende, von ihrem persönlichen Geistführer Andries geleitet.

Die Anwesenden kannten ihn mittlerweile sehr gut und immer wieder brachte er sie mit seinem unverwechselbaren und schalkhaften Humor ständig zum Lachen.

Morgaine freute sich immer wahnsinnig auf diese Montagabende, an denen auch sie stets wieder neue Erkenntnisse bekam und viel dazulernen durfte.

Andries sprach durch sie und sie stellte ihm bereitwillig ihren Körper dafür zur Verfügung. Im Gegensatz zu vielen anderen Medien war sie keinesfalls erschöpft nach solch einer Sitzung, sondern fühlte sich enorm kraftgeladen und euphorisch. Vielleicht lag dies auch an der engen Bindung, die sie zu Andries hatte.

Er überstrapazierte sie niemals und brach den Kontakt sofort ab, sobald er Anzeichen einer vermeintlichen Erschöpfung bei ihr spüren konnte.

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Wehmütig wanderten ihre Gedanken nun zu ihrer großen Liebe Petrik zurück. Er hätte jetzt an ihrer Seite sein müssen. So war es doch vorherbestimmt. Warum nur hatte sie das Schicksal wieder getrennt, noch bevor es dazu kommen konnte? Wie oft hatte sie Andries danach gefragt, ohne jemals eine befriedigende Antwort von ihm bekommen zu haben. Entweder wollte er oder durfte er ihr nichts dazu sagen. Irgendwann hatte sie mit der Fragerei aufgehört.

Es waren mittlerweile fünf Jahre vergangen ohne dass sie ein Lebenszeichen von Petrik bekommen hätte. Der Drache, den sie immer noch um ihren Hals trug, hatte es ihr nicht mehr ermöglicht wieder in die Vergangenheit zu reisen. Er reagierte nicht mehr auf ihre Ansprache.  Sie hatte den Bezug zu ihm komplett verloren.

Auch Peter hatte jahrelang immer wieder aufs Neue versucht telepathischen Kontakt zu Agnes aufzunehmen. Obwohl ihm das anfänglich sogar zweimal gelungen war konnte er sie danach nicht mehr erreichen. Auch wenn er es nicht aussprach wusste sie, dass er davon ausging, dass sie tot war. Sie konnte nur hoffen und beten, sollte dies wirklich so sein, dass Petrik nicht dasselbe Schicksal getroffen hatte.

Peter war kurz nach Bonnis Tod aus seiner Wohnung ausgezogen und hatte sich gemeinsam mit Lizzy, ein Haus unweit von Frankfurt gekauft. Durch Morgaine hatten die beiden sich kennen- und schließlich lieben gelernt.

Da Morgaine in entgegengesetzter Richtung wohnte, sah sie ihre beste Freundin nicht mehr so oft wie früher. Auch wenn sie das sehr bedauerte, gönnte sie ihr das Glück mit Peter von ganzem Herzen. Gerade Lizzy, die sich niemals in einen Mann verlieben wollte, hatte es eiskalt erwischt. Schon in zwei Monaten wollten die beiden heiraten und planten eine Familie.

Morgaine musste schmunzeln als sie an den Abend zurückdachte, an dem ihre Freundin ihr alles gebeichtet hatte. Auch wenn sie bereits wusste wie es um Lizzy bestellt war, dafür kannten sie sich einfach viel zu gut, ließ sie ihre Freundin zappeln.

Die so taffe Lizzy wusste zunächst nicht wie sie Morgaine klarmachen sollte, dass sie ihren jahrelangen Prinzipien untreu geworden war.

Unruhig wand sie sich auf ihrem Ohrensessel hin- und her, bevor sie schließlich mit der Sprache rausrückte. Aschfahl im Gesicht wartete sie gespannt auf Morgaines Reaktion. Doch als diese vom Sofa aufsprang und sie in eine stürmische Umarmung schloss, legte sich ein befreites Lächeln auf Lizzys zusammengekniffene Lippen. »Und ich dachte schon du würdest mich verurteilen«, sagte sie jetzt erleichtert. »Ich, die absolute Nichtromantikerin und Realistin. Die die Liebe immer belächelt hat und sich niemals auf solch ein Abenteuer einlassen wollte. Und jetzt hat es mich voll erwischt und ich bin so von Sinnen, wie du es damals bei Petrik warst.«

Erschrocken hielt sie sich die Hand vor den Mund, als ihr klar wurde was sie gerade gesagt hatte.

Morgaine schossen sofort die Tränen in die Augen, die sie jedoch tapfer hinunterschluckte, bevor sie schließlich anfing zu sprechen.

»Ich kann mir nichts Schöneres für meine allerbeste Freundin wünschen.

 Und ich freue mich wirklich wahnsinnig für euch beide, das kannst du mir glauben. Jetzt weißt du wie es sich anfühlt, wenn man der wahren Liebe begegnet. Und ich freue mich schon jetzt darauf, die Patin eures ersten Kindes zu werden.«

Danach hatte sie sich schnell verabschiedet, da sie Lizzys Glück nicht mit ihren eigenen, traurigen Gedanken und Erinnerungen trüben wollte.

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»Können wir heute Pizza machen, Mummy?« Holte sie jetzt die sanfte Stimme von Guinevere aus ihren Gedanken. Mit großen Augen sah ihre kleine Tochter erwartungsvoll zu ihr auf.

»Aber natürlich können wir das, mein Schatz«, sagte Morgaine nun und strich Ginny das lange, schwarze Haar aus der Stirn.

Gemeinsam gingen sie den schmalen, mit weißen Kieselsteinen gesäumten Pfad, zurück zum Haus. Da heute Samstag war und Morgaine keine Patiententermine hatte, konnten sie den restlichen Nachmittag und den anstehenden Abend nach Gutdünken füllen und genießen.

Ein glückliches Lächeln lag jetzt auf ihrem Gesicht, als sie ihre kleine Tochter beobachtete, die vergnügt vor ihr her hüpfte und schnell die breite, überdachte Holzveranda erreichte. Da sie für ihr Alter schon erstaunlich groß war, konnte sie die schwere und massive Holztür ohne Probleme öffnen.

Morgaine folgte ihr gemessenen Schritts und fragte sich zum bestimmt hundertsten Mal, was Petrik wohl zu seiner wunderschönen Tochter gesagt hätte. Sie hatte seine grünen Augen geerbt, die den perfekten Kontrast zu ihren fast schwarzen Haaren bildeten. Er wäre bestimmt auf jeden ihrer baldigen Verehrer fürchterlich eifersüchtig gewesen, da war sie sich ziemlich sicher.

Wie gerne hätte sie das erlebt sagte sie sich im Stillen, als sie jetzt durch die Eingangstür schritt.

Dann kehrten ihre Gedanken automatisch zu dem tragischen und alles verändernden Tag zurück, an dem sie wieder in ihrer eigenen Zeit angekommen war.

 

Prüfung des Schicksals

 

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